Am Anfang war das Buch, als Libro 1978 als Tochter von BILLA im Konzern von Karl Wlaschek gegründet wurde. Das Bücher-Diskontsortiment wurde in der Folge um Papier- und Schreibwaren sowie Musikangebote erweitert.1984 übernahm André Rettberg als Geschäftsführer und Sanierer die nach wenigen Jahren in Schieflage geratene Diskontkette.

Der BILLA Konzern wurde 1996 von REWE übernommen, Libro blieb zunächst eigenständig in der Privatsiftung des Gründers bestehen, wurde dann aber von der UIAG und anderen Investoren übernommen. Rettberg beteiligte sich ebenso wie sein Finanzvorstand an der Handelskette, damals mit 220 Filialen eine nennswerte Größe im Buchhandel.

Zu viel, zu schnell expandiert – oder doch Malversation?

Rettberg investierte viel in den weiteren Ausbau, 1998 wurden die Amadeus Medienhäuser vom Oberösterreichischen Landesverlag übernommen, der Onlinemarkt wurde 1999 mit Lion.cc eröffnet, und Libro ging noch im gleichen Jahr an die Börse. Das folgende Geschäftsjahr war aber bereits wenig erfolgreich, es kam 2001 zunächst zu einem Ausgleich, ein Jahr später zum Konkurs. 2002 wurde Libro von einem Konsortium um Josef Taus übernommen. Rettberg selbst wurde wegen fahrlässiger Krida und weiteren Delikten angeklagt und musste nach einem jahrelangen Prozess eine Haftstrafe antreten.

Libro wurde in der von Josef Taus gegründeten MTH Management Trust Holding in eine konsolidierte Wachstumsphase geführt, die Gruppe steuert heute eine Reihe von Marken im Non-food Bereich im gesamten DACH Raum. Darunter auch Pagro, die Marke für Büroartikel.

Zwei Marken in schwachen Märkten sind eine zu viel

Die Onlinekonkurrenz setzt beiden Marken, Libro und Pagro trotz ausgebautem Onlinemarktplatz erheblich zu. Nach einem flauen Geschäftsjahr 2024/25 wurde beschlossen, die Marken zusammenzulegen. Libro wird auf längere Sicht als Marke verschwinden, Pago wird bleiben. Nun wurden acht von 162 Libro Filialen geschlossen, 34 sollen es insgesamt werden, neue Pagro Filialen zu den bestehenden 152 werden gesucht. ‚Es werde schrittweise immer mehr gemeinsame Werbeauftritte, aber auch Aktionen und Maßnahmen geben‘, so die MTH Geschäftsführerin für beide Marken, Ulrike Kittinger (kurier.at/wirtschaft Sept. 2025).

Die MTH Retail Group ist ein mitteleuropäischer Handelskonzern im Non-Food-Segment und ist mit ihren Marken LIBRO, PAGRO DISKONT und PAGRO DIREKT in Österreich, MÄC GEIZ in Deutschland und der OFFICE WORLD GROUP (IBA, TRAMONDI, PAPEDIS, ECOMEDIA und ORIDIS) in der Schweiz mit insgesamt über 770 Filialen und knapp 5.000 Mitarbeiter*innen bekannt. Die Gruppe ist ein wesentlicher Player im Bereich Papier- und Schreibwaren für Schule und Büro. (https://www.mth-retailgroup.com/)

Die Erinnerung an den Zwei-Marken-Strategie-Kampf von Kika-Leiner oder auch an die Tchibo-Eduscho-Markenführung drängt sich auf. Der Billa-Merkur-Billa Abtausch fällt mir dazu ein, und die vergangene MediaMarkt und Saturn Zwei-Marken-Politik. Jetzt firmieren sie unter MediaMarktSaturn Retail Group GmbH. Österreich ist eben ein kleiner Markt und Markenführung ist nicht nur kostbar sondern auch teuer.